Wann ist der Reisschlag aus dem Wald?
Jeden Tag laufe ich eine Runde bei uns in den Wäldern. Jetzt im Frühjahr erklingt überall das Summen der Motorsägen weil der Reisschlag ansteht.
In den meisten Waldabschnitten sind Arbeiter am Werk und holen das Holz aus dem Wald, doch in manchen Waldabschnitten liegt das Holz seit September und keiner kümmert sich drum. Ich versteh jeden der sich sein Holz selber macht aber kann es sein das in manchen Abschnitten Holz gefällt und liegen gelassen wird? Bis wann ist der Wald wieder "sauber", wer kennt sich aus und weiß was da vor sich geht?
Du beschreibst da ein ganz typisches Bild im Frühjahr – und deine Beobachtung ist völlig normal, auch wenn es auf den ersten Blick „unaufgeräumt“ wirkt.
„Reisschlag“ – was ist damit gemeint?
Vermutlich meinst du:
- Reisschlag / Räumungshieb bzw. einfach den Holzeinschlag:
- Bäume werden gefällt,
- Kronen, Äste („Reisig“) und teilweise minderwertiges Holz bleiben erst mal liegen,
- später werden Stämme gerückt und abtransportiert.
Der genaue Begriff variiert je nach Region/Dialekt, aber inhaltlich geht es um die Holzernte nach der Fällsaison.
Warum liegt in manchen Abschnitten Holz seit September?
Dafür gibt es mehrere häufige Gründe:
1. Einschlag im Herbst/Winter, Abfuhr später geplant
- Im Herbst wird oft gefällt, wenn der Boden tragfähig ist (frostig/trocken).
- Die Abfuhr (Rücken und LKW-Transport) kann sich aber bis ins Frühjahr/Sommer ziehen – je nach:
- Witterung (Forstwege zu weich, LKWs würden alles kaputtfahren),
- Verfügbarkeit von Maschinen und Personal,
- Holzpreisen und Nachfrage (z.B. bei Fichten/Borkenkäferholz).
2. Rückegassen & Polterplätze
- Nicht jeder Baum wird direkt an den Weg gezogen.
- Forstbetriebe arbeiten sich Abschnitt für Abschnitt vor. Manche Bestände wirken „liegen gelassen“, obwohl sie nur noch nicht an der Reihe sind.
3. Naturschutz / Habitatbäume / Totholzkonzept
- In vielen Wäldern wird bewusst Holz/Totholz liegen gelassen, um:
- Lebensraum für Insekten, Pilze, Vögel und Kleinsäuger zu schaffen,
- die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern (Humusbildung),
- die Biodiversität zu erhöhen.
- Das sieht für Spaziergänger manchmal nach „unordentlicher Arbeit“ aus, ist aber gewollt.
4. Private Waldbesitzer, die „auf Termin“ arbeiten
- In Privatwäldern ist es oft so:
- Holz wird in der Ferien-/Urlaubszeit eingeschlagen,
- dann fehlt Zeit oder Technik, um alles zügig aufzuarbeiten,
- oder das Holz ist zur Selbstversorgung gedacht und wird nach und nach geholt.
Wird Holz wirklich einfach gefällt und liegen gelassen?
Kommt darauf an, was du unter „Holz“ meinst:
- Wertvolles Stammholz (dicke, gerade Stämme):
- Wird normalerweise nicht dauerhaft liegen gelassen, weil es Geld wert ist.
- Wenn es dennoch liegt:
- kann es bereits verkauft und zur Abfuhr markiert sein,
- oder ist es „Notfallholz“ (z.B. nach Sturm/Borkenkäfer) und die Kapazitäten reichen nicht.
- Äste, Krone, dünne Stämmchen (Reisig / Schlagabraum):
- Das bleibt sehr häufig absichtlich im Bestand.
- Gründe:
- Bodenschutz (Puffer gegen Erosion, Austrocknung),
- Nährstoffrückführung,
- Habitatfunktion.
Es ist also gut möglich, dass in deinem Wald:
- Stammholz irgendwann noch abgefahren wird,
- der „Rest“ aber gezielt liegen bleibt.
Bis wann ist der Wald wieder „sauber“?
„Sauber“ im Sinne von:
- keine Maschinen mehr unterwegs,
- die großen Holzpolter sind weg,
- Wege sind wieder halbwegs in Ordnung.
Typischer Rhythmus in vielen Regionen (grob, kann lokal abweichen):
1. Fällzeit: Herbst bis Spätwinter (Oktober–März)
2. Rücken & Abfuhr: Winter bis Spätfrühling (November–Mai/Juni)
3. Räumung der Wege, Weginstandsetzung: oft Frühjahr/Sommer
Das heißt:
- In vielen Wäldern beruhigt sich die Lage bis Spätfrühling/Frühsommer,
- Vereinzelte Holzpolter und liegendes Material im Bestand können das ganze Jahr über bleiben – das ist dann meist bewusst so gewollt.
Einen starren Stichtag „bis dann muss alles weg sein“ gibt es üblicherweise nicht. Es gibt aber:
- Brut- und Setzzeiten, in denen bestimmte starke Arbeiten eingeschränkt werden (regionale Vorschriften),
- betriebsinterne Fristen (z.B. bis wann Holz beim Käufer sein muss),
- Verträge mit Sägewerken.
Wer entscheidet das / wer ist zuständig?
Je nach Eigentumsverhältnissen:
- Staats-/Kommunalwald:
- Zuständig: Forstverwaltung / Forstamt / Revierförster.
- Dort gibt es meist längerfristige Betriebspläne, in denen Einschlagsflächen, Holzmenge und Maßnahmen festgelegt sind.
- Privatwald:
- Zuständig: jeweiliger Waldbesitzer oder eine Forstbetriebsgemeinschaft.
- Die arbeiten zum Teil mit Förstern zusammen, zum Teil machen sie vieles selbst.
Wenn du genau wissen willst, was in „deinem“ Waldstück läuft:
1. Schau am Waldeingang oder an größeren Wegen nach Hinweistafeln (Forstbetrieb, Reviernummer, Ansprechpartner).
2. Viele Forstämter haben Webseiten mit Kontakt-E-Mail oder Telefonnummer.
3. Du kannst dort einfach fragen:
- Warum liegt in Abschnitt XY seit Herbst Holz?
- Wird das noch abgefahren oder ist das bewusst als Totholz liegen geblieben?
Forstleute erklären das in der Regel gern – sie kennen das Problem, dass Waldbesucher „Chaos“ sehen, wo ein Plan dahinter steckt.
Normalerweise kümmert sich der Förster drum. Wenn der zugewiesene Schlagabraum nicht ordnungsgemäß abgeholzt und das Holz nicht komplett abtransportiert wird, hat man bei unserem Förster schlechte Karten fürs nächste Jahr wieder eine Parzelle zu erwerben. Der Förster bei uns im Wald ist da ziemlich streng, aber das ist auch gut und richtig so.
Was ist denn bitteschön der Reisschlag? Wusste gar nicht dass man im Wald auch Reis anbauen kann. Oder hat der Reisschlag nichts mit Reis zu tun?
Kommentar von Harro
Der Reisschlag, auch Flächenlos oder Schlagabraum genannt, ist eine markierte Fläche im Wald, die man beim Förster kaufen kann, um dort Holz zu schlagen und zu verwerten. Das hat nichts mit Reis zu tun den man essen kann :)
Das kannst du dir wie auf einer Baustelle vorstellen. Die Waldarbeiter fällen halt auch Bäume und räumen die dann erst später weg. Eine Baustelle im Wald ist nichts anderes als eine Baustelle auf der Straße. Da kann es halt auch schon mal länger dauern bis die Baumstämme weggeräumt sind.
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