Rollator von der Krankenkasse?
Ich bin gerade ein bisschen ratlos und hoffe, dass mir hier vielleicht jemand weiterhelfen kann.. Es geht um meine Mutter, sie ist noch nicht „alt“, aber hat in letzter Zeit starke Probleme mit dem Gehen. Längere Strecken fallen ihr zunehmend schwer, und ich merke einfach immer wieder, wie sehr sie sich dadurch einschränkt und auch zurückzieht. Ich denke schon länger darüber nach, ob ein Rollator für sie nicht doch sinnvoll wäre, einfach um ihr wieder mehr Sicherheit und Bewegungsfreiheit zu geben..
Ich war deswegen sogar schon bei meinem eigenen Hausarzt und hab da mal nachgefragt, wie das mit einem Rezept funktioniert. Seine Antwort hat mich ehrlich gesagt ziemlich frustriert: Er meinte nur, meine Mutter sei dafür noch zu jung und das würde sie „nur faul machen“. Ich sehe das ganz anders! Ich finde, es geht um Lebensqualität und darum, dass sie sich wieder traut rauszugehen, anstatt immer öfter zu Hause zu bleiben.. Oder??
Jetzt weiß ich aber gar nicht so richtig: Wo fängt man an? Muss sie zwingend selbst zum Arzt gehen? Kann ich irgendwie etwas vorbereiten? Gibt es bestimmte Kriterien oder Dinge, die man beachten muss? Ich mach mir echt viele Sorgen und will nicht, dass sie aus falschem Stolz oder wegen solcher Sprüche noch länger wartet.
Hat jemand von euch Erfahrung damit? Wie genau läuft das ab, bis man einen Rollator auf Rezept bekommt?
Danke schon mal für jede Hilfe!
Liebe Grüße
Zuerst mal tut es mir leid zu hören dass deine Mutter mit diesen Gehschwierigkeiten zu kämpfen hat – das klingt wirklich belastend für sie und auch für dich. Du hast absolut recht dass es um Lebensqualität geht und nicht um Alter oder gar Faulheit. Ich weiß von viele Menschen in ähnlichen Situationen dass ein Rollator genau das bringt: Mehr Sicherheit, Unabhängigkeit und Motivation wieder rauszugehen. Die Aussage deines Hausarztes klingt leider nicht besonders kompetent! Es gibt kein festes Alter für einen Rollator, sondern es zählt die medizinische Notwendigkeit z.B. bei eingeschränkter Mobilität durch Schmerzen, Gleichgewichtsstörungen oder Schwäche. Also typischerweise läuft es so ab:
Wo fängt man an? Der Ablauf bis zum Rollator auf Rezept
1. Ärztliche Verordnung (Rezept) holen: Ja, deine Mutter muss in der Regel selbst zum Arzt gehen da der Arzt ihre Situation persönlich bewerten muss – z.B. durch eine Untersuchung der Gehfunktion, Fragen zu Symptomen und Alltagsproblemen. Das kann der Hausarzt sein aber auch ein Orthopäde oder Neurologe, je nach Ursache der Probleme. Wenn der Hausarzt skeptisch ist (wie in deinem Fall) probiert es bei einem anderen Arzt. Es hilft wenn sie konkret beschreibt: "Ich kann nur noch kurze Strecken gehen, habe Schmerzen/Schwindel, traue mich nicht mehr allein raus." Der Arzt entscheidet dann ob ein Rollator medizinisch notwendig ist und stellt ein Rezept aus (Formular 15 für Hilfsmittel).
2. Zum Sanitätshaus oder Hilfsmittelanbieter gehen: Mit dem Rezept gehst du (oder sie) zu einem Vertragspartner der Krankenkasse, z.B. einem Sanitätshaus. Die Kasse übernimmt nur bei kooperierenden Anbietern – du kannst die Suche auf der Website deiner Kasse starten (z.B. bei Barmer oder AOK). Dort beraten sie kostenlos, passen den Rollator an (Höhe, Griffe usw.) und reichen alles bei der Kasse ein. In vielen Fällen gibt's den Rollator innerhalb weniger Tage, manchmal sogar innerhalb von 72 Stunden. Der Rollator wird oft leihweise zur Verfügung gestellt (bleibt Eigentum des Anbieters oder der Kasse) und Reparaturen sind inklusive.
3. Genehmigung durch die Krankenkasse: Die Kasse prüft das Rezept und übernimmt die Kosten für ein Standardmodell wenn die Notwendigkeit gegeben ist. Das geht meist schnell, aber bei Ablehnung (z.B. wenn das Rezept ungenau ist) kannst du Widerspruch einlegen – innerhalb eines Monats, am besten mit zusätzlicher Begründung vom Arzt. Hilfreich sind Organisationen wie Verbraucherzentrale, SoVD oder VdK für Unterstützung.
Kriterien und Dinge, die man beachten muss
- Voraussetzungen: Es muss eine dauerhafte Einschränkung der Gehfähigkeit vorliegen die durch einen Rollator verbessert werden kann. Kein Mindestalter – es gibt Berichte von Leuten in den 50ern oder 60ern, die einen bekommen haben. Indoor-Modelle (nur für die Wohnung) werden oft nicht übernommen, Outdoor- oder Kombimodelle schon.
- Kosten: Die Kasse zahlt den Großteil für ein Basis-Modell. Du zahlst eine Zuzahlung von 10% des Preises (mind. 5 €, max. 10 € pro Hilfsmittel) – für Versicherte über 18, es sei denn, du bist von Zuzahlungen befreit (z.B. bei niedrigem Einkommen oder chronischer Krankheit). Extras wie spezielle Griffe oder Leichtbau kosten extra und gehen ins eigene Eigentum über. Nach 5 Jahren kann eine Folgepauschale anfallen, ohne neues Rezept.
- Was du vorbereiten kannst: Notiere ihre Symptome z.B. in einem Tagebuch: Wie weit kann sie gehen? Welche Schmerzen/Einschränkungen hat sie im Alltag?. Das hilft beim Arztgespräch. Du könntest auch mitkommen um zu unterstützen – viele Ärzte erlauben das. Schau auf der Website deiner Kasse nach (z.B. Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands) ob Rollatoren gelistet sind. Und teste vorab Modelle in einem Sanitätshaus, um zu sehen was passt – das ist oft ohne Rezept möglich.
Aus Berichten und Erfahrungen von anderen (z.B. online auf X/Twitter) weiß ich: Viele bekommen den Rollator problemlos gestellt, z.B. nur mit Rezept und minimaler Zuzahlung für Zubehör und sind danach mobiler. Andere hatten Wartezeiten auf Genehmigungen oder Ablehnungen die sie durch Widerspruch umgedreht haben – oft weil das Rezept nicht detailliert genug war. Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Im Sanitätshaus auf "mehrkostenfreie" Kassenmodelle bestehen und alles schriftlich festhalten um Überraschungen zu vermeiden. Manche berichten auch dass der Rollator ihr Leben verändert hat weil sie wieder einkaufen oder spazieren gehen konnten ohne Angst vor Stürzen haben zu müssen.
Falls du mehr Details zu deiner spezifischen Krankenkasse brauchst, schau auf deren Website oder ruf an – sie haben oft Hotlines für Hilfsmittel. Und rede mit deiner Mutter offen darüber, vielleicht hilft es wenn du betonst dass ein Rollator nicht nur was für hochbetagte Menschen ist sondern ein Tool für Freiheit.
Kommentar von klaraaa99
Puh, danke für deine tolle und umfassende Antwort, das weiß ich enorm zu schätzen und fühle mich schon nicht mehr so doof. Ich weiß auch nicht, aber finde, dass das ein total emotionales Thema ist und man da auch etwas feinfühliger ran gehen kann als mein Hausarzt. Vielleicht hatte er auch einfach einen doofen Tag, aber die undifferenzierte Aussage hat mich stark getroffen und mich in totalen Gedankenkreisen zurück gelassen. Ich hab auch selbst ein bisschen recherchiert und recht viele Beiträge zu dem Thema gefunden. Hab da auch meine Mutter jetzt mit einbezogen und das schweißt uns eher nochmal näher zusammen. Ich verstehe auch total gut, dass das für meine Mutter auch schwer ist. Altern wird gesellschaftlich ja total merkwürdig betrachtet und ich kann nachvollziehen, dass man da seine Schwierigkeiten mit hat und das einem gewissermaßen auch Angst bereitet. Naja, das wollte ich mal geteilt haben und mich wirklich ganz herzlich bedanken für deine liebe Nachricht. Dass ich so eine tolle Antwort bekommen würde hätte ich ehrlich nicht gedacht.
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