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von MisterWhoAmI am 14.01.2017, 19.04 Uhr

Was ist mit meinen Gefühlen los? Sie verschwinden!

Ich sollte vielleicht von vorne rein sagen wie/wer ich so bin. Also, ich bin 16, Männlich, wohne in Deutschland und gehe ganz normal zur Schule. Traumtische Ereignisse hatte ich noch nicht, soweit ich weiss.

Es fing vor gut 3 Jahren an bemerkbar zu werden. Der Hund meiner Cousine war gestorben (er war noch jung und für mich, wir waren sowas wie die beste Freunde unter Mensch und Tier ^^). Ich erwarte das ich weinen und traurig sein würde, jedoch mehr als ein Kloß im Hals bekam ich nicht. Erst dachte ich es liege daran das es nicht mein eigener Hund ist und ich ihn nur so gut wie alle 3-4 Wochen sah. Doch als dann mein Kaninchen starb und ich nicht wirklich traurig war fing es an komisch zu werden. Freude, Angst und Mitgefühl hatte ich ganz normal.

Dann, vor gut einem Jahr ist mein Cousin an Magen-Krebs gestorben, und das erst mit 23 Jahren. Meine Familie und ich waren grad auf dem Weg nach Portugal in den Urlaub als wir die Nachricht bekamen. Alle (meine Mum, mein Dad und meine beiden Schwestern) waren total aufgewühlt und vor allem die weiblichen unter uns weinten und waren auch noch Tage nach der Nachricht erschüttert. Bei mir blieb dieses Gefühl einfach weg. Ich dachte es würde noch kommen, abends, wenn ich allein im Bett liege. Jedoch es kam nichts, ich spürte zwar den Verlust, aber es war mir "gleichgültig". Und genau dieses Wort macht mir Angst, es ist mir gleichgültig wenn jemand verletzt wird oder jemand stirbt. Ich spüre dass diese Gleichgültigkeit in den letzen Jahren immer stärker geworden ist.
Auch Ängste habe ich so langsam nicht mehr (wenn man das so sagen kann). Ich hatte bis vor einem guten dreiviertel Jahr noch eine riesen Angst vor dem Verletzen, nicht emotional sondern eher durch Messer, spitze Dinge etc. Jetzt ist diese Gleichgültigkeit dort auch schon so weit das ich mir ohne große Gedenken Schaden zufügen kann (und nein es macht mir keinen Spaß. Die Furcht vor Verletzungen verblasst einfach. Der Schmerz, wenn die Wunde entstanden ist, ist natürlich da). Und so langsam fühle ich mich einfach nicht mehr wohl in mir. Mir fehlt es zu trauern.

Gestern wurde ein Mitschüler aus dem Klassenzimmer gerufen, als er wieder kam weinte er, nahm seine Sachen und durfte gehen. Später erfuhren wir das ein Familienangehöriger gestorben ist. Ich versetzte mich in seine Lage, und wieder nichts. Es war egal für mich. Auch spüre ich kein wirkliches Mitleid.
Als kleines Kind hatte ich immer eine Heidenangst das jemand stirbt den ich kenne (bei Reisen oder so) und ich fing immer sofort an zu weinen wenn ich zu lange darüber nachdachte. Jetzt ist da nichts. Und das ist das einzigste was mir wirklich Angst macht, ist dass ich irgendwas nichts fühle und das dieses Gleichgültige auch auf Freude und Spaß überläuft!


Meine Frage an euch, kennt ihr das, kennt ihr so Jemanden der das auch hat, wie weit kann das gehen und was kann ich dagegen tuen!?

Ich will nicht als gefühlsloses Wrack enden.

Grüße,
MisterWhoAmI

Antwort
Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PsychO am 16.01.2017, 10.59 Uhr
Zunächst ist zu sagen, dass Du Dich mit Deinen 16 Jahren mitten in einer Lebensphase befindest, die den Übergang vom Kind zum Erwachsenen darstellt. Sie beginnt bei Jungs etwa im Alter von 12 Jahren und endet etwa im Alter von 21 Jahren. In dieser Entwicklungsphase finden tiefgreifende Umstrukturierungsprozesse im Gehirn statt, die für das Erwachsenwerden absolut notwendig sind. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Psyche des Menschen, da nahezu jede Gehirnregion davon betroffen ist. So finden beispielsweise auch Veränderungen in den Gehirnbereichen Hippocampus, Fornix oder Amygdala statt, die allesamt Teil des limbischen Systems sind, welches für die Steuerung von Gefühlen verantwortlich ist. Die Amygdala zum Beispiel, ist für die Erkennung und Einschätzung von Gefahren verantwortlich.

Es ist völlig normal, dass Menschen während der natürlichen Gehirnentwicklung verwirrende Gefühle oder Gedanken haben. Außerdem sind die Auswirkungen dieses Prozesses bei jedem Menschen absolut individuell. Solltest Du also Veränderungen in Deiner Gefühlswelt feststellen, hängen diese mit Sicherheit damit zusammen, dass Du gerade erwachsen wirst. Im jetzigen Moment an eine Krankheit oder psychische Störung zu denken, ist absolut unbegründet. Diese Gedanken solltest Du daher schnellstens begraben.

Unabhängig davon darfst Du aber niemals vergessen, dass jeder Mensch einzigartig ist. Und zwar nicht nur was das Aussehen betrifft, sondern auch die Persönlichkeit. Dass jeder Mensch auf eine bestimmte Situation absolut gleich reagiert, ist daher völlig unrealistisch. Natürlich gibt es zu jeder Situation ein Durchschnittsverhalten, also ein Verhaltensmuster, welches die meisten Menschen zu einer bestimmten Situation haben. Was den Tod von anderen Menschen oder Tieren betrifft, neigen die meisten Menschen sicher dazu, in Tränen auszubrechen. Es gibt jedoch auch Menschen, die genau dies eben nicht tun. Das ist aber keine psychische Störung, sondern einfach nur eine Persönlichkeit, deren Verhalten in dieser Situation eben nicht dem Durchschnitt entspricht. Ebenso trauern die meisten Menschen ein paar Tage um Verstorbene, andere hingegen viele Wochen oder Monate. Eine Beurteilung, was davon besser oder schlechter ist, ist völlig sinnlos. Jeder Mensch ist einfach so, wie er ist.
Von einem Problem kann man in diesem Zusammenhang eigentlich nur dann sprechen, wenn das eigene Leben dadurch beeinträchtigt wird. Problematisch ist zum Beispiel, wenn ein Mensch den Tod eines Angehörigen nicht verkraften kann und sich über Jahre hinweg völlig zurückzieht, nur noch trauert und nicht mehr in der Lage ist, am normalen Leben teilzunehmen.

Auch bei schweren Schicksalsschlägen, wie es der Tod Deines Cousins war, die Fassung zu behalten, ist vielmehr eine Stärke und kein Problem. Das bedeutet ja nicht, dass Du anderen den Tod wünschst oder es Dir gleichgültig ist. Vielmehr ist Deine Persönlichkeit in dieser Hinsicht emotional scheinbar sehr gefestigt. Unsere Gesellschaft geht sehr destruktiv mit Emotionen um. Vor Allem die Medien haben einen großen Anteil an dieser Entwicklung. Wenn nahezu jeder Casting-Show-Teilnehmer in Tränen ausbricht, obwohl er in der nächsten Runde ist, zeugt das von einem emotionalen Missverhältnis. Das ist kein Zufall, denn Emotionen berühren den Menschen mehr, als nüchterne Fakten. Und da die Medien die Zuschauer an sich binden möchten, steht die übertriebene Darstellung von Emotionen im Vordergrund. Dadurch wird der breiten Masse eine Zielvorstellung vom Umgang mit Emotionen vermittelt, die nicht der Realität entspricht. Und so kommt es, dass junge Menschen, die emotional eigentlich sehr gut dastehen, an sich selbst zweifeln, weil sie dem medial vermittelten Bild nicht entsprechen. Sei stolz auf Deine emotionale Sicherheit in schwierigen Lebenssituationen! In der buddhistischen Lehre ist das ein Ideal, das viele erreichen wollen. In unserer Kultur besuchen viele Menschen Seminare wie z.B. "emotionales Selbstmanagement", um besser mit ihren Emotionen umgehen zu können.

Woran Du allerdings arbeiten solltest, sind Deine beschriebenen Ängste. In alten Kulturen wurde Angst als Krankheit bezeichnet, die sich immer weiter ausbreiten und das ganze Leben beeinträchtigen kann. Angststörungen nehmen in unserer Gesellschaft immer mehr zu und auch das hängt mit dem medialen Konsum zusammen. Dein Beitrag beschreibt Angst vor Verletzungen, Angst vor dem Tod von Freunden und Familienangehörigen und auch Angst vor einer (psychischen) Erkrankung. Das ist kein Zufall, denn Fernsehsendungen und Filme sind voll von solchen Ereignissen.
Angst entsteht letztlich nur durch Gedanken. Nämlich immer dann, wenn sich Gedanken auf negative Ereignisse (z.B. Krankheit, Verletzung, Tod), die in der Zukunft passieren könnten, fokussieren.
Biologisch betrachtet, hat dies natürlich auch eine wichtige Funktion, denn Gefahren vorherzusehen und darauf zu reagieren, ist fürs Überleben absolute Voraussetzung. So mussten die Steinzeitmenschen permanent ihre Umgebung analysieren, da hinter jedem Baum ein Säbelzahntiger stecken konnte. In einer Gesellschaft und einer Zeit, wo Gefahren für Leib und Leben aber auf ein Minimum reduziert sind, gerät diese Funktion des Geistes, die sich seit der Steinzeit nicht verändert hat, schnell außer Kontrolle. Dann werden im Geist nämlich permanent schlimme Situationen, die eintreten könnten, konstruiert. Diese beziehen sich dann in der Regel aber nicht auf reale, aktuelle Gefahren, auf die man durch sein Verhalten einen Einfluss hat, sondern auf schlimme Erlebnisse, die man nicht beeinflussen kann.

Dass Menschen krank werden oder sterben gehört zum Leben dazu und lässt sich nicht direkt beeinflussen. Gedanken, die solche Situationen konstruieren, sind daher überflüssig und gleichzeitig der Auslöser für Gefühle der Angst. Du solltest im Jetzt leben, statt Dich gedanklich auf zukünftige negative Ereignisse, dass Du z.B. ein emotionales Wrack wirst, zu konzentrieren. Außerdem dürfte das Erlernen von Techniken, wie mit solchen Gedanken und Angstgefühlen umgegangen werden kann, nicht schaden. Die Bücher "Jetzt! Die Kraft der Gegenwart" von Eckhart Tolle oder "Die Heilkraft buddhistischer Psychologie" von Tich Nhat Hanh dürften Dir dabei sehr behilflich sein.

Abschließend ist zu sagen, dass Du in jedem Fall mit Deinen Eltern darüber sprechen solltest, falls es Dir schlechter gehen sollte oder Du das Gefühl bekommst, dass Du irgendwelche Probleme hast. Es ist keine Schande, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn man denkt, dass man diese braucht. Aktuell hört es sich aber eher danach an, als hättest Du Angst, dass Du irgendwann psychisch krank werden wirst, weil deine Emotionen derzeit nicht zu deinen Vorstellungen passen, wie diese zu sein haben.


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von DasSchlafendeGenie am 12.02.2017, 13.19 Uhr
Meiner Meinung nach ist es komplett normal, dass man ein wenig "abkühlt". Aber du bist auch in einem Alter, wo viel los ist. Gib dir noch ein wenig Zeit, ich persönlich glaube, dass alles schon wieder kommt :)

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von Filisi am 23.01.2017, 19.40 Uhr
Sicherlich sind das viele Menschen nicht gewöhnt, schlimme Ereignisse anders wahrzunehmen und eben nicht in Tränen auszubrechen. Aus dem Grund kann ein solcher Mensch oft als gefühlskalt abgestempelt werden, der sich anders verhält und nicht dem Klischee entspricht.

Es ist an dir nichts schlimmes. Ich nehme an, dass du einfach nur gelernt hast, Gefühle bei Seite zu schieben, sei es durch ein einschneidendes Ereignis, was vielleicht gefahrvoll war oder Verlust brachte und was vielleicht vergessen hast. Gefühle hat jeder, doch es kommt darauf an, in welchen Umständen man sich befindet und vielleicht hast du für dich innerlich entschieden, dass sich Gefühle nicht lohnen, weil du sie eher mit Schmerz verbindest.

Was sich im Leben lohnt und was nicht, kristallisiert sich sehr im Lebensumfeld und Erfahrungen prägen einen Menschen. Gibt es nur Positives, wird ein Mensch auch so fühlen, wohingegen ständig negative Ereignisse, einen Schutzmechanissmuss hervorrufen können. Die Seele schützt sich, um nicht daran zu zerbrechen. Oft hat man dieses Phänomen bei Schlägermenschen, die um Prügel betteln und sich auf das Kinn klopfen. So zeigen sie ihrem Gegner an, schlag zu und dann wirst du schon sehen. Gefühle werden gemieden obwohl sie da sind, doch sie signalisieren ein Zeichen von Schwäche. Vielleicht hast du irgendwo dieses innerliche Schloß davor, um stark sein zu wollen und so verhält sich deine Psyche.

Wenn es dir nicht zur Last fällt sondern damit gut geht, dann brauchst du keine Bedenken haben. Solltest du dich jedoch innerlich damit nicht wohlfühlen, ist das weniger gut.
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